150 Gedichte vom kalten Berg by Han Shan

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Auf einer Felsplatte sitze ich einsam in der Nacht Während der Vollmond aufsteigt am Han Shan 50 Es lebt der Mensch in Dunkelheit und Staub So wie ein Käfer der im Krug gefangen Krabbelt den ganzen Tag im Kreis im Kreis Doch entflieht er diesem Krug nicht! Nie kann den Unsterblichen er sich zugesellen Denn seine Leidenschaften sind unendlich Monate, Jahre verströmen wie ein Fluß Ein Augenblick nur und er ist ein alter Mann 51 Die reichen Leute haben viele Sorgen Sie machen nur Geschäfte, wissen nichts dankbar anzunehmen Wenn auch der Reis in ihrem Kornspeichern schon fault Leihen sie doch an niemand einen Schaffel aus Ihre Gedanken kreisen ständig um Profit Aus billig eingekaufter Seide machen sie "Erste Ware" Doch dann an ihrem Todestag Kommen nur Fliegen kondolieren 52 Ein Bauernhof mit großen Maulbeergärten Die Stallungen voll Ochsen und voll Kälber Wem solches zufällt, der sollte doch an Karma glauben Voll Eigensinn jedoch verderben sie's von früh bis spätIn einem Augenblick geht alles in die Brüche Und ist erst aller Lebensunterhalt verpfändet In Hosen aus Papier, mit einem Dachziegel als Lendenschurz Verhungern und erfrieren sie am Ende 53 Ein Gast bekrittelte den Meister vom Han Shan: In deinen Versen fehlen die Rechten Grundsätze Las ich doch bei den Weisen des Altertums Daß sie sich ihrer Armut niemals schämtenIch mußte über seine Worte lachen: Geschwollene Reden führen ist wohl leicht Doch möcht ich dich in meiner heugen Lage sehn Wie wichtig dann die Groschen für dich wären 54 Vier oder fünf halbstarke Schwachköpfe Nichts was sie tun ist wahr und aufrichtig Haben noch keine zehn Schriften studiert Doch mit kritischem Pinsel sind sie schnell bei der Hand Sie nehmen den "Lebenswandel des Gelehrten" Und nennen es einen Räuberkodex Sind dabei "selbstlos" wie der Bücherwurm Der anderer Leute Folianten zerfrißt 55 Han Shan- so finster und geheimnisvoll Wer ihn besteigt tut es in Angst und Schrecken Im Mondlich tiefer Wasser Glitzerglanz Wind fährt durch die Gräser rischelraschel Schneeblüten trägt der dürre Pflaumenbaum Wolken statt Blattwerk in den kahlen Wipfeln Ein Schauer wandelt alles wie mit Geisterhand Den Aufstieg schaffst du nur bei klarem Himmel 56 Mein Heim liegt unterhalb der grünen Klippe Der Hof verwuchert, mag ihn auch nicht mähen Und immer neue Ranken baumeln verschlungen herab Uralte Felsen steilen senkrecht auf Die Affen kommen wilde Beeren pflücken Der Reiher schnappt sich Fische aus dem Teich Mit ein paar Schriftrollen von dem Unsterblichen Sitze ich murmelnd murmelnd unterm Baum 57 Wie wohl uns doch zur Zeit des Chaos war Wir brauchten nicht zu essen, nicht zu pissen Wer suchte uns mit seinem Bohrer heim Um uns mit den neun Löchern zu versehen?

48 Stufe auf Stufe prächtiger Landschaften Nephritfarbene Berge vom Morgenrot eingefaßt Nebel wischt Feuchte auf meine Baumwollkappe Tau netzt den Umhang von geflochtenem Stroh Die Füße unbeschwert in Pilgersandalen Die Hand hält einen alten Wanderstab Einmal hinausgeschaut über die Welt des Staubes Wie könnte ich zurückkehren ins Reich der Träume! 49 Ich lebe voller Freude mit dem Alltags-weg In einer Grotte unter dunstverhangenen Kletterpflanzen Mein wildes Herz vollkommen frei und ledig Für immer Weißer Wolken müßiger Gefährt Kein Pfad verbindet mich mehr mit der Welt Bin absichtslos- was könnte mich noch fesseln?

Nie kann den Unsterblichen er sich zugesellen Denn seine Leidenschaften sind unendlich Monate, Jahre verströmen wie ein Fluß Ein Augenblick nur und er ist ein alter Mann 51 Die reichen Leute haben viele Sorgen Sie machen nur Geschäfte, wissen nichts dankbar anzunehmen Wenn auch der Reis in ihrem Kornspeichern schon fault Leihen sie doch an niemand einen Schaffel aus Ihre Gedanken kreisen ständig um Profit Aus billig eingekaufter Seide machen sie "Erste Ware" Doch dann an ihrem Todestag Kommen nur Fliegen kondolieren 52 Ein Bauernhof mit großen Maulbeergärten Die Stallungen voll Ochsen und voll Kälber Wem solches zufällt, der sollte doch an Karma glauben Voll Eigensinn jedoch verderben sie's von früh bis spätIn einem Augenblick geht alles in die Brüche Und ist erst aller Lebensunterhalt verpfändet In Hosen aus Papier, mit einem Dachziegel als Lendenschurz Verhungern und erfrieren sie am Ende 53 Ein Gast bekrittelte den Meister vom Han Shan: In deinen Versen fehlen die Rechten Grundsätze Las ich doch bei den Weisen des Altertums Daß sie sich ihrer Armut niemals schämtenIch mußte über seine Worte lachen: Geschwollene Reden führen ist wohl leicht Doch möcht ich dich in meiner heugen Lage sehn Wie wichtig dann die Groschen für dich wären 54 Vier oder fünf halbstarke Schwachköpfe Nichts was sie tun ist wahr und aufrichtig Haben noch keine zehn Schriften studiert Doch mit kritischem Pinsel sind sie schnell bei der Hand Sie nehmen den "Lebenswandel des Gelehrten" Und nennen es einen Räuberkodex Sind dabei "selbstlos" wie der Bücherwurm Der anderer Leute Folianten zerfrißt 55 Han Shan- so finster und geheimnisvoll Wer ihn besteigt tut es in Angst und Schrecken Im Mondlich tiefer Wasser Glitzerglanz Wind fährt durch die Gräser rischelraschel Schneeblüten trägt der dürre Pflaumenbaum Wolken statt Blattwerk in den kahlen Wipfeln Ein Schauer wandelt alles wie mit Geisterhand Den Aufstieg schaffst du nur bei klarem Himmel 56 Mein Heim liegt unterhalb der grünen Klippe Der Hof verwuchert, mag ihn auch nicht mähen Und immer neue Ranken baumeln verschlungen herab Uralte Felsen steilen senkrecht auf Die Affen kommen wilde Beeren pflücken Der Reiher schnappt sich Fische aus dem Teich Mit ein paar Schriftrollen von dem Unsterblichen Sitze ich murmelnd murmelnd unterm Baum 57 Wie wohl uns doch zur Zeit des Chaos war Wir brauchten nicht zu essen, nicht zu pissen Wer suchte uns mit seinem Bohrer heim Um uns mit den neun Löchern zu versehen?

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