Alexis de Tocqueville (Campus Einführungen) by Karlfriedrich Herb, Oliver Hidalgo

By Karlfriedrich Herb, Oliver Hidalgo

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Die Synthese zwischen antiker und moderner Freiheit stützt sich hier einerseits auf die Verfassung, die jedem Bürger seine individuelle Autonomie und den pursuit of happiness garantiert. Auf der anderen Seite gewähren die Einrichtungen der lokalen Selbstverwaltung eine angemessene Beteiligung an den legislativen, exekutiven und judikativen Befugnissen des Gemeinwesens. Die Frage, die Constant und Rousseau, Siey`es und Robespierre entzweite, ob die repräsentative oder die direkte Herrschaft des Volkes das richtige politische System sei – für Tocqueville scheint sie von den Amerikanern gelöst.

Sie versetzt alle Individuen, die rationale Einsicht in ihr eigenes Handeln besitzen, in die Lage, ihr Leben in Unabhängigkeit zu gestalten. Die Selbstbestimmung des Individuums schlägt sich politisch in der Souveränität des Volkes nieder. Der demokratische Begriff der allgemeinen Freiheit ist für Tocqueville die dem Zeitalter der Moderne angemessene und daher richtige Form der libert´e. Er teilt die Auffassung Benjamin Constants, dass die geistigen und sozialen Fundamente einer Freiheit, die wie bei Montesquieu auf der Ungleichheit der Bedingungen beruht, obsolet geworden sind.

Wie bereits erwähnt, folgt für Tocqueville das kontraktualistische Modell der fairen Übereinkunft über die Existenz von Hierarchien den Imperativen der Gleichheit. Die Maxime der Freiheit erkennt er hingegen im loyalen »Gehorsam« gegenüber einem Menschen oder einer als legitim empfundenen Ordnung. Insofern kommt es ihm »auf die Art des Herrn weit weniger an als auf den Gehorsam« (DA II, 465). Die Subordination, die etwa der Hobbessche Untertan dem allmächtigen Leviathan aus rationalen Erwägungen leistet – für Tocqueville wäre sie nur Ausdruck einer knechtischen Gesinnung, die die Sicherheit über die Freiheit stellt.

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